IBL Umweltplanung GmbH

Wissenschaftliche Nachuntersuchung des E+E-Vorhabens „Osterfeiner Moor“ mit Schwerpunkt des Wiesenvogelschutzes unter Einsatz einer ökologisch angepassten Grünland-bewirtschaftung

Universität Bremen
Auftraggeber:
(BfN)
Universität Bremen, Projekt des Bundesamtes für Naturschutz
Projektgebiet: Osterfeiner Moor, südlich Vechta / Niedersachsen
Bearbeitungszeitraum: 2016 - 2018

Wiesenvogelschutz im Feuchtgrünland

Als prägende Artengruppe sind die Wiesenvögel für den Naturschutz in Grünlandgebieten von herausragender Bedeutung. Die aktuelle Gefährdungssituation dieser Gruppe erfordert umfassende, großflächig und langfristig konzipierte Maßnahmen. Insbesondere die Einrichtung von EU-Vogelschutzgebieten hat in den letzten Jahren hierfür wichtige naturschutzrechtliche Voraussetzungen geschaffen.

Wiesenvogelschutz erfordert die Schaffung, Sicherung und dauerhafte Pflege bzw. naturschutzorientierte Bewirtschaftung geeigneter Grünlandflächen. Feuchtgrünlandrestitution auf ehemals entwässerten Niedermoorböden ist eine naheliegende Option der Habitatentwicklung. Sie macht die Herstellung und langfristige Sicherung geeigneter abiotischer Bedingungen, namentlich der Wasser- und Trophieverhältnisse, erforderlich. Da diese Faktoren auch für die gebietstypische Avifauna entscheidend sind, stellen Moor- und Wiesenvogelschutz nicht voneinander zu trennende Ziele dar.

 

Großer Brachvogel

 

Die Bewirtschaftung von Niedermoorgrünland war immer eine anspruchsvolle Aufgabe. Durch forcierte Entwässerung, den Einsatz von Düngemitteln und eine Intensivierung der Nutzung konnten in der Vergangenheit die Erträge erheblich gesteigert werden – um den Preis der Degeneration der Niedermoorböden und der Verdrängung der Wiesenvögel. Im Zuge von Restitutionsmaßnahmen anthropogener Kulturbiozönosen, wie es das Feuchtgrünland darstellt, sind unterschiedliche Eigenschaften natürlicher und anthropogener Prozesse entscheidend.

Das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben „Osterfeiner Moor“

Das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben „Osterfeiner Moor“ (kurz: EEVOM) im Landkreis Vechta wurde von 1996 – 2006 durchgeführt. Das Projekt wurde vom  Bundesamt für Naturschutz   mit Mitteln des BMU sowie durch das  Land Niedersachsen gefördert. Es wurde erprobt, wie in einem bisher landwirtschaftlich intensiv genutzten Niedermoorbereich durch ökologisch angepasste Grünlandbewirtschaftung die Ziele des Wiesenvogelschutzes und des abiotischen Ressourcenschutzes erreicht werden können.

 

Beweidung im Projektgebiet

 

Das Projektgebiet umfasst ca. 180 ha und stellt einen Ausschnitt aus dem weitgehend von Niedermoorböden geprägten Bereich nördlich des Dümmers dar. Es wird im Osten von der Alten Hunte begrenzt, auf den anderen Seiten setzt sich das Niedermoorgrünland fort. Die Erschließung durch sog. Wälle (Wirtschaftswege in Dammlage) erfolgt vom Westen her von den höher gelegenen Mineralbodenbereichen aus. Die Wälle enden jeweils als Sackgasse vor dem Ostrand des Projektgebietes. Diese Situation bietet den Vorteil, dass einerseits die Flächen unproblematisch erreicht werden können, andererseits keine Störungen durch Durchgangsverkehr bestehen. Zudem werden zur Brutzeit durch Tore die Wege ins Projektgebiet zum Teil für die Öffentlichkeit geschlossen. Das Projektgebiet befindet sich im Eigentum des Landkreises Vechta.

 

Lage des Projektgebietes

 

Eine wesentliche Maßnahme des Projektes stellt die Steuerung der Wasserstände dar. Durch den Bau von Fanggraben, regelbaren Stauanlagen und einer Verwallung wurde es möglich, im Projektgebiet den Wasserhaushalt in von Witterung und Vorflut bestimmten Grenzen zu steuern. Im Winterhalbjahr werden die Wasserstände hoch gehalten und im späten Frühjahr für die  landwirtschaftliche Bewirtschaftung abgesenkt.

 

Stauanlage im Projektgebiet

  


Winterliche Vernässung im Projektgebiet (Februar 2017)

 

Heute – gut zehn Jahre später – zeigt sich, dass dieses E+E-Vorhaben auch als Katalysator für die weitere Entwicklung im Sinne des Naturschutzes gewirkt hat. Das ca. 180 ha große Vorhabensgebiet ist unterdessen Bestandteil des 1.432 ha umfassenden Naturschutzgebietes „Westliche Dümmerniederung“ (Verordnung vom 14.12.2007) und zugleich Teil des Europäischen Vogelschutzgebietes „Dümmer“ und des FFH-Gebietes „Dümmer“ und damit nachhaltig für den Naturschutz gesichert.

Nähere Informationen finden sich auf der Website des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz):

https://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/schutzgebiete/einzelnen_naturschutzgebiete/naturschutzgebiet-westliche-duemmerniederung-43948.html

Die Nachuntersuchung

Zehn Jahre nach Beendigung der wissenschaftlichen Begleitung des E+E-Vorhabens „Osterfeiner Moor“ wird die Zielerreichung des Vorhabens überprüft und die Vorhabensansätze hinsichtlich ihrer  langfristigen Wirksamkeit zum Wiesenvogel- und Niedermoorschutz erneut evaluiert.

Im Fokus des E+E-Vorhabens „Osterfeiner Moor“ standen seinerzeit sowohl mittel- als auch langfristige Ziele. Die langfristigen Ziele umfassen die weitere Entwicklung bzw. Wiederherstellung der ökologischen Funktionen des Projektgebietes als Wiesen-vogellebensraum. Hierzu gehören auch die weitere Minimierung der Mineralisierung der organischen Böden und die extensive landwirtschaftliche Produktion von Futtergras.

Um zu untersuchen, inwieweit diese Ziele erreicht wurden, fördert das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) seit 2016 eine wissenschaftliche Nachuntersuchung (Nach-WB), die bis 2018 durchgeführt wird.

Ziel dieser Nachuntersuchung ist es, die Strategien zur nachhaltigen Landnutzung degradierter Niedermoorböden in einem Wiesenvogelschutzgebiet zu evaluieren. Überprüft wird, in welchem Ausmaß die im Vorhaben gesteckten Ziele erreicht wurden und welcher Zielerreichungsgrad bis heute Bestand hat. Über zehn Jahre nach Implementierung der Naturschutzmaßnahmen werden zur Zeit abiotische und biotische Parameter untersucht (Zustand der Moorböden, Hydrologie, Flora und Vegetation, Avifauna). Ein weiterer Schwerpunkt besteht in der Untersuchung der sozio-ökonomischen Situation der Flächennutzer unter Berücksichtung der aktuellen agrarpolitischen Rahmenbedingungen (GAP, EEG, Strukturwandel) und  der Wirtschaftlichkeit der Flächenbewirtschaftung. Zusätzlich werden Daten zur Freisetzung von Treibhausgasen auf der Gesamtfläche erhoben, um die Klimarelevanz der Niedermoorflächen bewerten zu können.

 

Grundwassermessstelle im Gebiet

 


Kiebitz mit Nachwuchs

 


Vegetationskundliche Untersuchungsfläche im Projektgebiet

 

Am Abschluss der Untersuchungen steht die Entwicklung von Handlungsempfehlungen aus den Evaluierungsergebnissen der Nach-WB für die Nachanwendung in vergleichbaren Gebieten im Bundesgebiet. Hierbei wird Bezug auf die aktuellen agrarpolitischen Rahmenbedingungen genommen. Dabei sollen neben den erzielten Ergebnissen auch die Erfahrungen aus anderen Naturschutzprojekten einfließen. Um einen diskursiven Prozesse zu ermöglichen, ist – ausgehend von den guten Erfahrungen aus dem E+E-Vorhaben „Osterfeiner Moor“ 1996 – 2005 – ein Statusseminar vorgesehen, an dem einerseits die bis dahin vorliegenden Ergebnisse der Nach-WB vorgestellt werden, andererseits weitere Beteiligte und Interessierte zum Dialog eingeladen werden.

 


Entwicklung und Darstellung der Ergebnisse für die Nachanwendung

 

Die Untersuchungen werden von der Universität Bremen (Geologischer Dienst für Bremen im Marum) und der Universität Rostock (Lehrstuhl Grünland- u. Futterbauwissenschaften) in Zusammenarbeit mit IBL Umweltplanung GmbH (Oldenburg) durchgeführt.

Ergebnisse

Die Informationen finden Sie auch auf der Website der Universität Bremen und des BFN.

Bereits publizierte Ergebnisse sind auf der Forschungsplattform Researchgate eingestellt:

https://www.researchgate.net/project/Scientific-resurvey-of-the-wet-grassland-restoration-project-Osterfeiner-Moor-2